Das Dorf

Das 950 Seelen Dorf Girelsau (Bradu) liegt an der Bundesstraße Europastraße E68 etwa 20 km von der Kreisstadt Hermannstadt (Sibiu) entfernt am Fluss Alt (Olt) auf einer Höhe von ca. 420m ü.NN. Heute gehört es zu dem Nachbardorf Frek (Avrig) früher war es jedoch ein eingenstädisches Dorf.

Girelsau wurde auf einer alten römischen Siedlung, die sich im Osten des Dorfes befindet errichtet. Im Jahre 1311 wurde es erstmals mit dem ungarischen Namen "Feneufolua" in einem Kirchenbuch erwähnt. Es war über Jahrhunderte hinweg von den Siebenbürger Sachsen besiedelt von denen der größte Teil nach der Rumänischen Revolution 1989 nach Deutschland auswanderte.

Geschichte

14. Jahrhundert

1311 wurde Girelsau erstmals mit dem ungarischen Namen "Feneufolua" in einem Kirchenbuch erwähnt.
1380 ist das Dorf in einer Versammlung des Hermannstädter Stuhls erfasst worden.
Um das 14./15. Jahrhundert wurden mehrere Grafen in dem Dorf vermerkt.

15. Jahrhundert

1419 vertrat der Graf "Jakobus" aus Girelsau zusammen mit dem Königsrichter die Siebenbürger am Hofe des Römisch-Deutschen Königs "Sigismund".
1488 sind in der Ältesten Steuererklärung des Hermannstädter Stuhls 33 Hauswirte, 1 Schulmeister und 1 unbewohntes Haus für den Ort angegeben.
1495 stritten Girelsau und Freck mit den Bewohnern des Fogarascher Distrikts wobei sie jedoch vom Hermannstädter Stuhls in Schutz genommen worden sind.
1496 bewilligte der Hermannstädter Stuhl dem Dorf einen Zuschuss im Wert von 10 Gulden (ca.500€) für den Ausbau der Befestigung der evangelischen Kirche.

16. Jahrhundert

1506 erhielten die Bewohner nochmals einen Zuschuss für die Vollendung der Kirche in Form von Kalk und Dachziegeln.
1525 Prediger "Johannis Clementis" verbreitete die lutherische Reformation in Girelsau woraufhin mehrere neu Bewohner von den Behörden registriert wurden.
1538 bekamen die Bewohner zum zweiten Mal Kalk und Dachziegeln für den Ausbau der Kirche.
1579 entstanden im Alt (Olt) zwei Inseln um die sich die Gemeinde Girelsau und Freck stritten der Hermannstädter Rat sprach diese aber Girelsau zu.
1588 wurde eine neue Grenze zwischen Girelsau und Talmesch verlegt.

17. Jahrhundert

1600 brannten die Truppen des rumänischen Woiwodens Michaels des Tapferen das Dorf ab. Laut einer Sage stahlen sie 2 Kirchenglocken wobei die Eine im Alt versenkt und die Andere in ein abgelegenes Kloster in den Fogarscher Bergen gebracht worden sei.
1691 gehörten Girelsau, Freck, Michelsberg und noch andere Gemeinden zum zweiten Mal dem Hermannstädter Stuhl an. Doch sie waren "Pertienenten" das heißt sie waren nicht völlig frei bis sie mit den anderen sächsischen Gemeinden gleichgestellt wurden.

18. Jahrhundert

1721 Die Bewohner wohnten während der Konskription (lat. conscribere; zusammenschreiben der wehrpflichtigen Männer) in Holzhäusern und betrieben Ackerbau, Viehzucht, Forstwirtschaft, Fischfang im Alt und Fischhandel.

19. Jahrhundert

Während des 19. Jahrhunderts wurde Girelsau wiederholt von Bränden und Überschwemmungen heimgesucht.
1835 brannten 35 sächsische Höfe und das orthodoxe Pfarrhaus komplett ab.

20. Jahrhundert

1900 Der fehlende Anschluss an das Bahnnetz wirkte sich negativ auf die Wirtschaftsentwicklung im Dorf aus.
Erst die Flurbereinigung schaffte die Voraussetzungen für eine moderne Landwirtschaft.
Durch die Nähe an das Fogarascher Land entstand nordwestlich vom sächsischen Ortsteil ein rumänischer Ortsteil der 594 Einwohner zählte.
1930 Vermerkte man 1240 Einwohner in Girelsau davon 594 Rumänen, 519 Saxen, 121 Zigeuner und 2 Ungarn.
1945 wurden alle Männer über 16. Jahre nach Russland in die Gefangenschaft deportiert und die verbliebenen Famielen enteignet.
Während des Ceausescu Regimes flüchteten die Meisten Sachsen nach Deutschland.
1989 wohnen nur noch 226 Siebenbürger Sachsen im Ort.

21. Jahrhundert

2001 hatte die evangelische Kirchengemeinde nur noch 6 Mitglieder.
November 2015 Die Kirche und der Friedhof wurden in Folge eines schweren Sturms beschädigt.